Gugelmupf und die Tischkante
Ein Meisterwerk
In vielen Autoren- und Literaturforen gibt es immer noch jene unermüdlichen Einzelkämpfer, die sich den Erhalt der klassischen Deutschen Sprache auf ihr Banner geschrieben haben. Ihre literarischen Ergüsse geben Zeugnis für eine Sprachkultur, die in der Geschichte der Menschheit Ihresgleichen sucht. Schreiberlinge von Heine bis Böll sind für sie verachtenswertes kulturelles Fußvolk, das es nie geschafft hat, den Reichtum unserer schönen Deutschen Sprache in all ihren Dimensionen
auszuschöpfen.
Nach genauem Studium der hochintellektuellen Werke jener Foristen habe ich mich entschlossen, es ihnen gleichzutun und ein literarisches Meisterwerk geschaffen, das den Literaturbereich in einer nie dagewesenen Weise bereichert. Selbst der Literaturpapst Markus Seicht-Kanniksi ließ sich zu dem legendären Satz hinreißen: „Die Deutsche Sprachkultur ist mit der Tischkante wieder auferstanden!“
Bei aller Bescheidenheit muss ich zugeben, dass mich die Muse beim Schaffen des unten stehenden Geniestreiches nicht geküsst, sondern regelrecht vergewaltigt hat. Dieses sprachliche Kunstwerk ist Ausdruck eines neuen geistigen Intellektes, der selbst Nietzsches Zarathustra dilettantisch aussehen lässt!
Inhaltlich in höheren geistigen Sphären angesiedelt, bietet mein literarisches Meisterwerk nichts desto trotz und gerade deswegen auch Sex'n'Crime auf einem extrem hochwertigem Level. Der Spannungsbogen ist laut Statement des Ausschusses für den Literatur-Nobelpreis "bislang unerreicht und gleicht einer geistigen Erektion".
Genug der knappen einstimmenden Worte!
Hier ist es: die Mutter des geschriebenen Wortes!
Viel Vergnügen beim Lesen und der Hinweis, dass das Beantworten der Fanpost naturgemäß etwas dauern kann ...
Gugelmupf und die Tischkante
Langsam, sich um die Sucht der Äonen windend, nähert er sich ihr, sie anstarrend, fordernd, mit der ihm eigenen Sensibilität sinnlos sich beringend und assoziativ die Sphinx besteigend und Heerscharen von Salzstreuern ehern widerstehend. Die Seele, schon zu Staub zermahlen, tanzt müde den Schwanentanz mit dem Mixer und sehnt sich zurück in die Lade der alten Kaffeemühle.
Romeo gleich, ob seines Wirrwarrs der Füße, die zu Julia ihn zu tragen mit den Steinen verschmelzen, streicht er über sie, besitzergreifend, fühlend wie zögernd, bis der Span den Hauch der Zeit in sich birgt. Phönix! durchzuckt es die Paternoster seines idealisierten Geistes, und mit triefendem Blick bestarrt er den Aschenbecher ob seines grauen Inhaltes, nicht wahrnehmend die Kante, die mit ihren Lockungen den Schnee magisch anzuziehen scheint.
Schlitten, spricht er zur hängenden Mona Lisa, nur Schlitten. Sie lächelt gequält im Angesicht seines geistigen Ergusses. Schlitten, Schlitten, du hast zwei herrliche Schlitten! Gar grell entwindet sich dieser Schrei seinen Lippen, sich überschlagend und rotierend wühlen sich die güldenen Lettern der Hängenden entgegen, wo ist der Filter?
Schatten wandern durch die Spüle, den Zyklopen gleich, die gierig des Tisches Kante beknabbern, auf dass ihnen die Stunde haut! Trauer erfüllt ihre gehärmten Seelen, die sich willenlos um die Neonröhre schlingen, der Lappen Schicksal im kalten Lande: Wisch und weg! Einem Torero gleich enthemmt würgt er heiße Tränen - Blech, Blech! Starr pflanzt sich dieser verzweifelte Schrei seiner blinden Augen fort in des Herdes Röhre, und das Echo wirft die Qual zurück: Pech, Pech!
Gedanken fetzen über die Klinge: Springe! Springe! Sie ist so nah!
Nein! Sein Herz krampft sich zusammen, dampft sich im Klammen…welch würdig Volk, auf dass es seinem Schicksal nicht entgehe und verstehe: Billig, billig und willig, es trifft die Geschmäcker im Aldi und Schlecker!
Wüste pur! Wo ist die Sonne? Von Hinten liegt die Sphinx im Dunkeln und ruft nach Cheops und der Tischkante. A tergo! repliziert Gugelmupf gequält und wringt die Hände aus, bevor er ihre sandigen Schlitten genussvoll streichelt. Kufe mich! Kufe mich! tönt es lüstern zwischen den Pyramiden, während die Armee der Teelöffel müde daniederliegt.
Die Lüfte wirbeln wild um die Vögel, die sich flatternd und knatternd über das Tier ergießen. Es dürstet schlimm diese Kreaturen!
Wind! Wind! – Der Schrei der Gequälten und Geschälten! Wind!
So heftig! spricht seine Königin aus Sirup, ich habe es bar!
Und langsam kommt in Sicht des Kisches Tante, und Gugelmupf erbebt. Gar beschämend schneidet er das Licht ab, wühlt sich durch die Zeit nach oben und springt, sucht die Schlinge. Wo? Wo? Im Falle des Falles, wie frei der Fall: Ablativ oder Akkusativ!
Sie nähert sich ihm unaufhaltsam, und schon schlägt ihm ihr süßer Duft entgegen, viel zu süßlich! denkt Gugelmupf noch, bevor sein Gesichtserker fade dahinscheidet. Nur noch ein Kuss zum gnädig Schluss! Die unmittelbare Zukunft schält sich ihre Konturen und sichtet sich aus: Knall! steht es geschrieben im geläuterten Druck, die Zeit ist gekommen, nur Gugelmupf noch nicht: zu stumpf die Kufen, die ihn rufen, sie seien steil, so furchtbar steil, gebunden an des Donners Keil.
Lass die Sachsen sprechen, denkt die Kante, bevor sie die Mauer durchschleudert, und die Kaffeemühle hüstelt gewunden um sich rum, sich am Staube der Seele permanent verschluckend.
Es passiert, es passiert! denkt Gugelmupf noch, bevor er die Tischkante endgültig bespringt!