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Hitze!!!

Hitze!!!
Hitze! Immer noch! Es ist drei Uhr in der Nacht, und die Hitze des Tages denkt nicht daran, zu verschwinden. Tagsüber diese Wahnsinnsglut (...da laufen ja die Bäume den Hunden nach!), diese flirrende, dumpfe, feuchte und luftraubende Hitze, die dich umschließt wie warme, nasse Watte - wie sagte jemand auf der Straße: Sechsunddreißig Grad im Schatten, ich halte das nicht mehr aus! - Und warum gehst du dann nicht raus aus dem Schatten?  hatte ich diesen schwitzenden Jemand gefragt, doch die Antwort war mir so unendlich egal gewesen: zu heiß für jede Art von gedanklicher Anstrengung ... abgesehen davon gab es eh keine.

Mein Körper klebt am Laken, bedeckt von einer feinen Schweißschicht; und ihr Körper klebt am Laken, ebenfalls bedeckt von einer feinen Schweißschicht. Aber sie schläft. Hatte ihren nackten Körper auf die Seite gedreht und war eingeschlafen - und mein nackter Körper findet keine Ruhe, registriert jeden Schweißtropfen, der sich irgendwo auf meiner Haut bildet und irgendwo am verschwitzten Körper herunterläuft und das Laken tränkt.
Sie hat noch den gesunden Schlaf der Jugend, ist gerade mal halb so alt wie ich - oder ich bin fast doppelt so alt wie sie; lediglich eine mehr in der imaginären Liste eines alternden Casanovas, der die Zeichen der Zeit nicht erkennen will.

Ihr langes dunkles Haar klebt an den verschwitzten Schultern, am verschwitzten Rücken. Im diffusen Licht der heißen Nacht betrachte ich die wunderbaren Rundungen ihres wunderbaren Körpers, und einmal mehr schießt eine Feuerwalze durch meine Lenden ...

Stillgestanden!

Sie würde es mögen, würde ich jetzt auf ihren feuchten Körper gleiten, ich weiß das. Aber ich würde glatt auf ihr ausrutschen. Verkehrsbehinderung durch Aquaplaning! Und wer macht schon freiwillig einen Langstreckenlauf in der Sauna?
Geht an die Substanz, und in meinem Alter: wie unschuldig lauert der Infarkt ... mit jedem noch so sanften Stoß dem Interruptus entronnen und dem Exitus einen Schritt näher...

Meine Männlichkeit schmilzt wieder dahin wie Eis in der Sonne.
Bin verwirrt. Bin enttäuscht.

Bin - erleichtert!?

Aber wäre es das nicht, das Nonplusultra? Mich in den Armen und Beinen einer schönen Frau zu verabschieden, gerade dann, wenn man gemeinsam alle Sinne explodieren lässt? Ja, das wäre das stilvollste „Bye, Honey“ für einen in die Jahre gekommenen Don Juan schlechthin, nicht wahr?
Nach längerem Nachdenken über den so genannten Tod in der alles durchdringenden Schwüle dieser absonderlichen Nacht komme ich zu dem erstaunlichen Schluss: Egal, wenn ich mal tot bin, möchte ich wohl eh nicht mehr leben …

Irgendjemand seufzt. Wahrscheinlich bin ich das. Vergiss den Körper, konzentriere dich auf den Geist - aber bei dieser Hitze findet bei mir lediglich eine geistige Entropie statt!
Geistige Entropie? Mann, Klasse! Das war eine astreine geistige Erektion nach einem Hitzegewitter in der Schwüle des Gehirns - wunderbar! Immer noch diese alte Frivolität in der Seele! Grinse kurz still vor mich hin und ärgere mich kurz darauf deswegen.

Drehe mich auf die Seite und kämpfe dabei wieder einmal mit dem klebrigen Laken.

Das war’s also! Runter mit den Erwartungen, so einfach ist das!

Und da kommt sie auch schon, diese gnädige, träge Müdigkeit. Vakuum im Kopf. Klar! Was sonst?

Mein heiß geliebter Traum dreht sich langsam auf die andere Seite. Ich spüre ihre vollen Brüste in meinem Rücken, ihre Schenkel an den meinen. Eiskalt!
Eisige Schauer durchziehen meinen Körper, sammeln sich im Unterleib, wo es plötzlich auch das Gehirn hinzieht, dieses pralle, pochende, zuckende Etwas.

Komm!  flüstert sie lasziv mit eiskaltem Atem:

Komm!

Die Hitze stirbt ... quod erat demonstrandum!

Na also.