Es gibt sie noch vereinzelt, jene wunderbaren Wesen, die uns Raucher dulden und für die wir auch noch Menschen sind; denen sei hier gedankt und gedacht, und für die sind die nächsten Zeilen auch nicht bestimmt!
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Neuigkeiten aus Kalifornien: uns Rauchern geht es weiter an den Kragen - selbst in Bars darf nicht mehr geraucht werden! Das traditionsbeladene Bild der zigarettenrauchgeschwängerten Bar, jene diffuse, leicht laszive Atmosphäre - aus und vorbei; Genossen im Dunste, es wird ernst!
Da war zunächst einmal diese gar grausame Vision vor ein paar Jahren: Jeder von uns geoutet durch einen zwangsgepiercten Nasenring, an dem ein Feuerzeug hängt, auf unseren müden Häuptern ein zigarettenfilterähnlicher Zylinder, unsere Lieblingsmarke für alle Zeiten in den Personalausweis eingetragen, und die Bücher, von erkannten Rauchern geschrieben, öffentlich im Literarischen Sextett diskutiert, das von den Krankenkassen gesponsert wird! Man wird uns nur noch die peripheren Mülldeponien zugestehen als die Plätze, an denen wir uns im Freien eine anstecken können ... welche Symbolik!
Vor langer Zeit einmal gingen die Frauen auf die Straße und riefen: Mein Bauch gehört mir! Nun, sollen wir jetzt auch durch die Städte ziehen und rufen: Meine Lunge gehört mir! - ? Nur leider kann man Lungen nicht abtreiben ...
Geschmacklose Assoziationen?
Aber sicher, genauso geschmacklos wie die Jagd auf die, die mit Rauch und Kippen die Umwelt weniger belasten als die Fabriken und Autos mit ihren Giftgasausstößen, havarierte Öltanker und Bohrinseln, Atomtests oder Brandrodungen. Dummerweise reißen Zigaretten auch keine Beine ab wie Millionen von Landminen, höchstens hier und da mal ein Raucherbein, und das noch auf eigene Verantwortung! – Frechheit!
Eben drum! schreien nun die Krankenkassen, ihr belastet unsere Finanzen durch eure Lebensweise!
Ach!
Gescheiterte Extremsportler, fresssüchtige wandelnde Fettkonglomerate in McDonald‘s, Alkoholiker, Drogenkonsumenten, Opfer von Verkehrsunfällen und Politiker tun das nicht? Wollte man danach gehen, müsstet ihr auch die Kirchen und Ehen verbieten oder zumindest die Frauenhäuser mitfinanzieren oder die Eheberatungsstellen; und wie wäre es mit Tabak auf Krankenschein oder mit Zigaretten, frei verkäuflich in der Apotheke? Lässt sich bestimmt genauso gut abrechnen wie Herzklappen!
Was können wir noch erwarten, liebe Genossen im Qualme? Was bleibt uns noch?
Richtig: der Untergrund!
Wir werden fortan unseren eigenen Tabak auf dem Balkon oder im Keller ziehen, somit die Milliarden aus der Tabaksteuer verweigern, mit denen man auch die Jagd auf uns finanziert - und unsere Peiniger damit ins finanzielle Chaos stürzen. Sollen sie doch sehen, wie sie ihren Staatshaushalt ohne uns subventionieren!
Undenkbar?
Aber wo denn, ihr wisst doch: Raucher sterben früher, ihr bekommt das leicht durch eingesparte Rentenzahlungen wieder rein: wir werden auch nicht so resistent sein und erst mit 117 Jahren aufhören zu rauchen, wie jene Madame aus Frankreich, die diese Tage ihren 121. Geburtstag feierte ...
So packe ich denn meine Teerraketen, Kondensatbomben, Kippengranaten und Qualmwerfer zusammen, schultere das Feuerzeug und mache mich vom Acker der Vernünftigen - mir meinen klitzekleinen Rest von Freiheit und individuellem Chaos sorgsam schützend und schätzend und dem Gotte der menschlichen Perfektion bewusst entsagend: es lebe der kleine Unterschied!
Gez.: Che Havannah
alias F. M. L. in MCMXCVIII